Was bringt ein Tag mit einem professionellen Wurflehrer?

Zugegeben, im ersten Moment war ich etwas skeptisch - immerhin fische ich schon seit rund 15 Jahren mit der Fliege! Ich würde mich als durchschnittlichen Fliegenfischer bezeichnen: d.h. beim Fischen kann ich mich aufs Fischen selbst bzw. aufs Lesen des Gewässers konzentrieren und muss nicht ständig ans Werfen denken. Den normalen Überkopfwurf beherrsche ich genauso wie den Rollwurf, auch das halbwegs korrekte Menden der Fliegenschur bereitet mir kein Kopfzerbrechen. Wenn die Bedingungen passen, fange ich problemlos meine Fische; am liebsten mit der Trockenfliege - aber auch mit der Nymphe oder mit dem Streamer. Was also bringt mir ein Tag mit einem zertifizierten Wurflehrer (Flycasting Instrucor)?

Nun ja, mit dem durchschnittlichen Repertoire eines Fliegenfischers kann man ziemlich schnell chancenlos sein, z.B. wenn eine schöne Marmorierte Forelle am gegenüberliegenden Ufer unter einem überhängenden Ast in einem Kehrwasserbereich munter steigt und zudem durch eine starke Strömung zwischen mir und ihr geschützt ist. Ein normales Präsentieren der Fliege ist in dieser Situation unmöglich - entweder landet die Fliege am Ast über der Forelle oder ansonsten beginnt das Fliegenmuster unnatürlich zu dreggen, sobald meine Fliegenschnur von der starken Strömung flussabwärts gezogen wird. Auch in anderen Situationen wünscht man sich als durchschnittlicher Fliegenfischer oft, etwas mehr Kontrolle über die Schnur und somit die Fliege zu haben, nicht nur geradeaus werfen zu können und die verschiedenen Strömungen besser für sich zu nutzen. Dabei geht es meistens nicht mal um besonders weite Würfe, sondern eher darum, jene vielversprechenden Orte systematisch befischen zu können, die für durchschnittliche Fliegenfischer "unerreichbar" erscheinen.

Meine Lebenspartnerin muss irgendwie Wind von meiner fischereilichen Mittelmäßigkeit bekommen haben, was mich ehrlich gesagt auch nicht überrascht - oft habe ich ihr "vorgeplärrt", dass ich mir eigentlich die Zeit nehmen müsste, viel besser mit der Fliege fischen zu lernen. Und aufmerksam wie sie ist, lag zu meinem 39sten Geburtstag ein Gutschein auf dem Tisch - für einen Tag Fliegenfischen mit Arnold Gufler.

Arnold Gufler Fly Casting Insctructor

Arnuld Gufler, einziger hauptberuflicher Wurflehrer und zertifizierter Guide in Südtirol (Foto copyright Arnold Gufler)

Ich kenne und schätze Arnolds Professionalität seit einiger Zeit, vor allem da er der einzige zertifizierte Flycasting Instructor (EFFA) und Flyfishing Guide (EFFA) Südtirols ist, der hauptberuflich aktiv ist.

Am 15. Juni vorigen Jahres war es dann so weit, der gemeinsame Tag mit Arnold an der Passer stand auf dem Programm. Sorry an dieser Stelle, dass ich fast ein ganzes Jahr benötigt habe, diesen Blogbeitrag online zu stellen.

Beim gemeinsamen Morgenkaffe hatte ich Arnold gesagt, dass mein Hauptziel für diesen Tag nicht darin besteht, möglichst viele Fische zu fangen, sondern meine Wurftechnik zu verbessern. Bevor es ans Wasser ging, hat er mir deshalb zuerst auf einer Wiese für ca. 30 min beim Werfen zugesehen. Seine Analyse war zutreffend (ps. ich hatte im Vorfeld bewusst nichts von meinen "Wurfproblemen" gesagt), nachfolgend hab ich sie kurz zusammengefasst:

1). Ab und zu hatte ich mit dem sogenannten "Tailing Loop" zu kämpfen, vor allem beim letzten Schießen vor dem Ablegen der Fliegenschnur bzw. der Fliege. Der Tailing Loop besteht darin, dass sich in der Vorwärtsbewegung des normalen Überkopfwurfes der obere Teil der Schnur mit dem unteren Teil kreuzt und somit verheddert. Ich wusste nie wirklich, was der Grund war. Dank Arnold weiß ich nun, dass in meinem Fall ein Zuviel an Kraft in der letzten Vorwärtsbewegung schuld daran war.

2). Zweitens hat Arnold festgestellt, dass ich in der Rückwärtsbewegung oft dazu tendiere, zu schnell wieder die Vorwärtsbewegung einzuleiten, also bevor sich die Schnur nach hinten vollständig streckt. Mir war das nie aufgefallen, mit der Folge, dass ich nicht das volle "Aufladen" der Fliegenrute ausgenutzt und somit unnötig viel Kraft vergeudet habe - ohne maximale Wurfweiten zu erzielen.

3). Mir war schon seit längerem bewusst, dass ich mein Handgelenk beim Werfen öfters kippe - irgendwie habe ich mir diesen Fehler im Laufe der Zeit angewöhnt. Persönlich hat mich das zwar nicht weiter gestört - immerhin war ich trotzdem imstande, erfolgreich zu fischen. Dennoch weiß ich nun, dass ich mir das Kippen des Handgelenks abgewöhnen sollte, da es viele Nachteile mit sich bringt: zum Beispiel öffnet sich die Schlaufe der Fliegenschnur beim Vorwärtswurf mehr oder weniger stark, was wiederum größeren Luftwiederstand und somit geringere Wurfweiten bzw. mehr unnötigen Kraftaufwand bedeutet.

Fliegenfischen in einem schwierigen Bereich

Ich beim Befischen einer ziemlich turbulenten Passage der Passer, beobachtet von Arnold Gufler

Hier mein Wurffehler - Das Kippen des Handgelenkes bringt viele Nachteile mit sich (Video)

Nach dem Werfen auf der Wiese gings gleich ans Wasser (Passer). Auf meinen Wunsch hin haben wir vor allem das Befischen schwieriger Stellen mit der Trockenfliege geübt, z.B. dank Richtungsänderungen während des Wurfs. Es gibt aus meiner Sicht nichts Schöneres, als eine wilde Forelle mit der Trockenen zu überlisten - und zwar nicht nur in Momenten, in denen unsere geliebten Flossenträger sowieso steigen. Bis zum späten Nachmittag habe ich dann auch einige wilde Forellen (v.a. Regenbogen, aber auch eine Marmorata) mit einer dicken Suchfliege (Trockenfliege) überlisten können - an Orten, die ich vorher mit Sicherheit ausgelassen hätte. Es macht einfach nur Freude, durch die Verfeinerung des eigenen Wurfstils Stellen erfolgreich befischen zu können, die vorher tabu waren.

Arnold Gufler Fly Casting Insctructor

Ich beim Versuch eine fette, steigende Regenbogenforell in der Strömung unterm Ufergebüsch anzuwerfen

Insgesamt zeichnet sich Arnold Gufler, wie schon eingangs erwähnt, durch seine Professionalität aus. Geduldig erklärt er wieder und immer wieder Sachen, die man nicht gleich versteht oder nicht gleich imstande ist, in die Praxis umzusetzen. Neben seiner Fachkompetenz ist Arnold auch didaktisch/pädagogisch sehr gut unterwegs - er versteht es, einem auch die komplexeren Techniken des Fliegenfischens leicht verständlich zu vermitteln.

Arnold Gufler Fliegensicherschule
Eine wilde Regenbogenforell auf Jagdfliege

Bilder: links Arnold Gufler in Aktion (Foto copyright Arnold Gufler), rechts Regenbogenforelle auf Trockenfliege (Suchfliege)

FAZIT:

Ehrlich gesagt ist es nicht ganz einfach, sich die über Jahre angeeigneten Wurffehler schnell wieder abzutrainieren. Arnold hat meine Wurffehler per Videoaufnahme festgehalten und mir zur Verfügung gestellt - so kann ich an meinen Gewässern weiterüben und mir zu jeder Zeit in Erinnerung rufen, was genau ich falsch mache bzw. falsch gemacht habe.

Wenn ich an den Beginn meiner "Fliegenfischerkarriere" zurückblicke, tut es mir ehrlich gesagt leid, nicht sofort einen professionellen Wurflehrer in Anspruch genommen zu haben. Ich hätte mir diese - im Nachhinein schwer auszumerzenden - Wurffehler wohl erst gar nicht angewöhnt. Als Fazit kann ich jedem Anfänger nur raten, das Fliegenfischen nicht auf eigene Faust zu lernen, sondern sich gleich einem Profi wie Arnold anzuvertrauen.

Auch für fortgeschrittene bzw. durchschnittliche Fliegenfischer rentiert es sich mit Sicherheit, zumindest einen Tag pro Jahr mit einem Profi zu verbringen, um die eigene Wurftechnik zu verbessern und seinen Fliegenfischer-Horizont zu erweitern. Ich bin mir sicher, dass dir professionelle Flycasting Instruktoren wie Arnold Tricks & Tipps vermitteln können, auf die du alleine dein Leben lang nicht kommen würdest.

Falls du also meinem Rat folgen möchtest und vielleicht eh schon geplant hast, Urlaub in Südtirol im schönen Passeiertal zu machen, empfehle ich dir, die Gelegenheit zu nützen. Ein Fliegenfischer-Tag mit Arnold Gufler an der Passer ist definitiv sein Geld wert.

Hier geht’s zur Seite von Arnold Gufler's Fliegenfischerschule mit seinem kompletten Kursprogramm für 2019.

PS. Ich habe diesen Blogbeitrag natürlich nicht geschrieben, weil ich vom gemeinsamen Tag mit Arnold Gufler begeistert war/bin - sonder nur, weil ich von Arnold Millionen dafür bekommen habe! wink

Markus Heiss, Mai 2019

Markus Heiss  –
Fly fisherman
Job: Business owner
Hobbies: Fishing, experiencing nature, mountain running
His father introduced him to fishing as a child in the Sarntal valley in South Tyrol (as a 'poacher', of course 😉) and this passion was rekindled after puberty with good experiences in spinning and sabiki rig fishing. Since 2003, Markus has fished almost exclusively with the fly - as often as possible with the dry fly. In 2008 he turned his hobby into a profession, founding this shop and running it together with his partner Petra. In addition, Markus loves being in nature with his family and, a few years ago, discovered the fascination of mountain running. Learn more about Markus!
27.05.2019
Zuletzt geändert am: 31.05.2024
Fliegenfischen-Techniken
Kommentare
Georg M., 17.11.21 17:02 Ich bin der Meinung das ein Tag Fliegenfischen mit Arnold eine super Sache ist. LG Georg Mörl
Wolfgang F., 26.09.20 19:48 Ich freue mich, dass du mit dem Arnold an einen der guten geraten bist. Die Passer ist nicht ganz einfach, ich kenne sie ein wenig. Sag dem Arnold bitte ganz liebe Grüße, wir wollen ja irgendwann mal zusammen an der Passer fischen. LG Wolfgang Fabisch
Einträge insgesamt: 2
Markus Heiss
Markus Heiss
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