19.06.2017 00:00 | 0 Kommentare

Fliegenfischen-Einführung für Anfänger

Bist Du angehender Fliegenfischer? Wir haben diese kleine Einführung erstellt, um Dir die wichtigsten Grundlagen dieser faszinierenden Leidenschaft so einfach als möglich zu erklären. Falls Du noch weitere Infos benötigst oder Fragen hast, kannst Du Dich gerne an uns wenden: info@1000fliegen.com. Wir beraten Dich gerne und unverbindlich.

Fliegenfischen ist die Königsdisziplin im Sportangeln. Das Besondere an dieser Art zu fischen ist, dass eine künstliche Fliege als Köder verwendet wird und ausschließlich das Gewicht der Fliegenschnur als Wurfgewicht dient. Um die oft federleichte Fliege an einem gewünschten Ort im Gewässer zu platzieren, bedarf es einer eigenen Wurftechnik und einer speziellen Fliegenfischer-Ausrüstung.

Fliegenfischen Brandenberger Ache

Brandenberger Ache - Traumgewässer zum Fliegenfischen

Die künstlichen Fliegen imitieren in der Regel die natürlichen Beutetiere der Fische, also vorwiegend Insekten, aber auch Beutefische, kleine Säugetiere wie Mäuse sowie Amphibien wie Frösche und Lurche. So genannte Reizfliegen sind hingegen frei erfunden und imitieren keine bestimmte Beute, sondern üben aufgrund verschiedener Farbreize oder der Silhouette eine Anziehungskraft auf Fische aus, welche sie im besten Fall zum Biss animieren.

Bei den Insekten handelt es sich meist um Arten, die einzelne oder alle Lebensabschnitte im, auf oder am Wasser verbringen, und um Landinsekten, welche in Wassernähe leben und aufgrund eines "Missgeschicks" im Wasser landen, wie z.B. Bienen, Wespen, Ameisen, Raupen, Käfer, Heuschrecken usw.

Im Prinzip imitieren künstliche Fliegen das gesamte Beutespektrum der Zielfische. Auch Imitationen von Beutefischen, also z.B. Streamer, werden von Fliegenfischern generell als "Fliegen" bezeichnet.

Die künstlichen Fliegen werden mit Hilfe natürlicher Bindematerialien wie Fellhaaren und Vogelfedern sowie künstlicher Bindematerialien und einem Fliegenhaken in Handarbeit gefertigt. Es gibt keine Maschinen, welche brauchbare Fliegen zum Fliegenfischen fertigen könnten.

Fliegenfischen ist auf sehr viele Fische erfolgsversprechend, wobei die ursprüngliche Art mit der Fliege zu fischen auf Salmoniden betrieben wurde (Forellen, Äsche, Saibling, Lachs). Mittlerweile ist das Fliegenfischen auf Hecht, Barsch und Döbel aber auch auf Karpfen weit verbreitet. Auch Salzwasser-Fliegenfischen auf Tarpon, Bonefish sowie Barrakuda ist inzwischen sehr populär.

1. Fliegenfischen mit der Trockenfliege

Das Fliegenfischen mit der Trockenfliege ist die am weiten verbreitetste Technik und ist meiner Meinung nach auch die emotionalste Art, mit der Fliege zu fischen. Dabei wird eine schwimmende künstliche Fliege möglichst sanft auf der Wasseroberfläche "abgelegt". Die auf dem Wasser so natürlich als möglich abtreibende Fliege wird im Idealfall vom Fisch "genommen". Je besser die Imitation dem realen Insekt in Form, Größe und Farbe gleicht, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

Fische, die nach Insekten steigen, welche an der Wasseroberfläche treiben, sollten vorsichtig stromauf (!!) ihres Standplatzes "angeworfen" werden. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Fliege nicht unnatürlich von der Fliegenschnur "hinterhergezogen" wird.

Trockenfliegen imitieren Insekten, die gerade aus ihrer Larvenhülle schlüpfen und die Wasseroberfläche durchbrechen, um ein flugfähiges Insekt zu werden (Emerger). Oder sie imitieren adulte Insekten, die sich entweder zur Eiablage auf der Wasseroberfläche niederlassen (Imago) oder nach erfolgter Eiablage tot mit ausgebreiteten Flügeln auf der Wasseroberfläche treiben (Spent). Auch schwimmende Reiz- bzw. Suchfliegen sowie die vorher genannten Landinsekten (Terrestrials) werden zu den Trockenfliegen gerechnet. Jagdfliegen werden oft auch als Suchfliegen bezeichnet.

Spent Eintagsfliege

Spent Eintagsfliege

Mit Trockenfliegen können vor allem Fische überlistet werden, die nach Anflugnahrung "steigen", die also Insekten von der Wasseroberfläche fressen. Ein plötzlicher massenhafter Schlupf von Wasserinsekten, z.B. von Eintagsfliegen, welcher die Fische zum "Steigen" animiert, kann das Fliegenfischen mit der Trockenfliege zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, vorausgesetzt die richtige Fliege hängt am Vorfach.

Als Ausrüstung für das Fliegenfischen mit der Trockenfliege empfehlen wir, je nach Gewässerbreite, eine Fliegenrute mit 7,6 bzw. 9 Fuß Länge mit schneller aber progressiver Aktion (keine Spitzenaktion), ausgelegt für eine Schnurklasse von #3 bzw. #4. Wir empfehlen eine DT Schwimmschnur (double taper – beidseitig verjüngt), um eine möglichst vorsichtige Präsentation der Trockenfliege in klaren Gewässern und bei scheuen Fischen zu gewährleisten. Um hingegen größere Wurfdistanzen zu erreichen und bei windigen Verhältnissen ist eine WF Schwimmschnur zweckmäßiger (weigth forward – mit Keule am vorderen Ende).

Äsche auf Trockenfliege

Äsche auf Trockenfliege

Ein 3 - 5m langes verjüngtes Vorfach (egal ob knotenloses oder geknotet) ist ideal, da es beste Abrolleigenschaften besitzt und somit eine delikate Präsentation der Trockenfliege ermöglicht. Aber Vorsicht, ein vollständig gestrecktes Vorfach auf dem Wasser ist nicht immer zielführend. Oft ist es verheißungsvoller, das Vorfach locker bzw. beinahe "haufenförmig" abzulegen - in der Zeit, die die Strömung benötigt, das "haufenförmig" abgelegte Vorfach zu strecken, kann die Fliege natürlich abtreiben bzw. an einer ruhigen Stelle verweilen und genau in diesen wenigen Sekunden erfolgt oft der Biss. Die Vorfachspitze sollte, je nach Gewässerklarheit und Fließgeschwindigkeit, zwischen 0,12 und 0,16mm liegen, bei besonders skeptischen Fischen auch unter 0,12mm.

Kleiner Tipp: Forellen und Äschen lassen sich nicht nur dann mit der Trockenfliege überlisten, wenn sie gerade auf natürliche Insekten während eines Schlupfes steigen! Vom späten Frühjahr bis in den Spätherbst hinein lassen sich unsere flossentragenden Freunde vorzüglich mit der Suchfliege zum Anbeißen animieren – auch wenn in der Natur gerade kein Massenschlupf von Insekten vorkommt. Voraussetzung für den Erfolg mit der Such- oder Jagdfliege sind ein nicht zu tiefes Gewässer und eine große, buschige, gut sichtbare und sehr schwimmfähige Trockenfliege (oft sind große Köcherfliegenmuster aus Rehhaar sehr erfolgreich). Bei dieser Art der Fischerei mit der Trockenfliege wird an die Energiebilanz der Fische "appelliert" – einen so großen vermeintlichen Happen kann sich keine Forelle entgehen lassen!

2. Fliegenfischen mit der Nymphe

Das Fliegenfischen mit der Nymphe ist eine sehr spannende Art mit der Fliege zu fischen und erfreut sich europaweit immer größerer Beliebtheit. Dazu trägt wahrscheinlich auch der Rückgang an "Massenschlupfen" von Wasserinsekten im Alpenraum während des Tages bei. In der Folge ist zu beobachten, dass Zielfische wie Forellen und Äschen ihre Gewohnheiten in Bezug Nahrungsaufnahme umstellen und nun vermehrt dem "Wasserstadium" im Lebenszyklus der Wasserinsekten nachstellen und somit eher mit der Nymphe als mit der Trockenfliege zu überlisten sind.

Auch der "Czech-Nymphing-Boom" hat das Nymphenfischen weiter populär gemacht, obwohl diese Technik von vielen Fliegenfischern kritisch betrachtet wird. Die oft recht schweren tschechischen Nymphen werden an einem langen Vorfach, meist direkt unterhalb der Rutenspitze oder nur wenige Meter davon entfernt, in einer ziemlichen monotonen Art gefischt. Bei dieser Technik des Nymphenfischens ist die Fliegenschnur als "Wurfgewicht" für die Fliege nicht mehr notwendig, was aber per Definition ein Hauptmerkmal des Fliegenfischens ist. Für viele ist deshalb das Czech-Nymphing nicht Fliegenfischen im ursprünglichen Sinn.

Beim Fliegenfischen mit der Nymphe wird mit künstlichen Fliegen gefischt, welche im Wasser mehr oder weniger schnell absinken sollen, um das Larvenstadium von Insekten im Wasser, besonders am Gewässergrund, zu imitieren. Diese Fliegen heißen Nymphen und sind oft mit einer Bleiwicklung direkt am Fliegenhaken und/oder einer Kopfperle aus Messing oder Tungsten beschwert, um auch tiefe Gewässerbereiche erfolgreich befischen zu können. Um schnell auf die gewünschte Gewässertiefe zu kommen ist neben dem Gewicht der Nymphe auch das korrekte "Menden" der Fliegenschwur wichtig, welches im Idealfall ein "Wassersegel" der Fliegenschnur verhindert und dadurch das freie Absinken der Nymphe ermöglicht.

Marmorata-Forelle auf Tungstennymphe

Kleine Marmorata-Forelle auf Tungstennymphe

Für das klassische Fliegenfischen mit der Nymphe ist generell eine etwas längere Fliegenrute mit schneller, aber parabolischer oder progressiver Aktion von Vorteil. Dadurch sind die im Nymphenfischen üblichen Rollwürfe und Spezialwürfe bedeutend einfacher zu bewerkstelligen als mit einer kurzen Rute mit Spitzenaktion. Wir empfehlen je nach Gewässerbreite eine Fliegenrute mit 9 bzw. 10 Fuß Länge, ausgelegt für eine Schnurklasse von #4 bis #6 (bzw. von #2 - 3 fürs Czech Nymphing). Eine schwimmende Fliegenschnur mit WF Profil (weigth forward – mit Keule am vorderen Ende) ist zum klassischen Nymphenfischen auf weite Distanz am besten geeignet. Auf kurze Distanzen eignet sich eine schweimmende DT Schnur besser.

Als Vorfach ist eine Kombination von zwei Vorfachstärken aus Fluorocarbon ideal, verbunden mit Hilfe eines Micro Tippet Rings (auch Pitzenbauer-Ring genannt). Fluorocarbon ist nahezu durchsichtig und schwimmt im Gegensatz zum normalen Monofil nicht. Das dickere Teil des Vorfachs beträgt ca. 1/3 und das dünnere ca. 2/3 der Gesamtlänge von 3 bis 4 Metern. Ideale Vorfachkombinationen sind z.B. 0,22mm + 0,18mm für schnelle Gewässer und 0,22mm + 0,16mm für eine mäßige Strömung. Bei besonders skeptischen Forellen in mäßig schnellen Gewässern ist eine Kombination von 0,20mm + 0,14mm ratsam.

Knotenlose konische Vorfächer sind für das klassische Nymphenfischen nicht ideal, da sie am oberen Ende sehr dick sind (0,50mm und mehr), dadurch einen hohen Wasserwiderstand haben und somit das schnelle Absinken der Nymphe verhindern.

Beim Fliegenfischen mit der Nymphe wird oft 50 - 70cm über der schweren Nymphe eine zweite, meist kleinere und leichtere Nymphe eingeknüpft, an einem 8 - 15cm kurzen Seitenarm. Dieser sogenannte "Springer" ist oft sehr erfolgreich, allerdings nicht in allen Fliegengewässern erlaubt.

Unbedingt empfehlenswert ist beim Nypmhenfischen eine Sichthilfe, auch Bissanzeiger oder Strike Indicator genannt, welche dem Fliegenfischer zaghafte Bisse in tieferen Gewässerabschnitten zuverlässig anzeigt und ein rechtzeitiges "Anschlagen" erlaubt, ohne den Biss zu verschlafen. Kleiner Tipp: sollten Forellen den Bissanzeiger statt der Nypmhen nehmen, ist es an der Zeit, mit der Trockenfliege weiter zu fischen (hi hi).

Beim klassischen Fliegenfischen mit der Nymphe bewegt man sich stromaufwärts, wirft leicht seitlich stromauf und lässt die Nymphe so schnell als möglich natürlich absinken. Ziel ist es, sämtliche vielversprechenden Abschnitte, meist am Gewässergrund, systematisch abzufischen. Ein geschicktes "Schlaufenlegen" der Schnur ist unumgänglich, um lange Driften der Nymphe in der richtigen Tiefe zu ermöglichen. Natürlich gibt es noch viele anderen Techniken zum Nymphenfischen, welche im empfehlenswerten Buch "Erfolgreich Nymphenfischen auf Salmoniden" von Günter Feuerstein eindrucksvoll beschrieben werden.

Ein Blick auf die verschiedenen modernen Methoden mit der Nymphe zu fischen ist aber angebracht, da sich international viele interessante Techniken zum Nymphenfischen herausgebildet haben, die unglaublich erfolgreich sind:

  • Das Französisches Nymphenfischen vereint zum Beispiel drei verschiedene Methoden: das Fliegenfischen mit der Nymphe auf Sicht (nymphe à vue), die Kombination von Nymphe und Trockenfliege (sèche-nymphe) sowie das eigentliche french nymphing (nymphe au fil), bei dem ein sehr langes Vorfach verwendet wird (5-7 m).
  • Der Erfolg der osteuropäischen Nymphenfischer bei den internationalen Fliegenfischerwettbewerben der letzten Jahrzehnte hat das Fliegenfischen mit der "kurzen Nymphe" (short nymphing) auf der ganzen Welt populär gemacht. Bei diesen Techniken wird auf sehr kurze Distanz gefischt, die Fliegenschnur wird als Wurfgewicht so gut wie nicht benötigt. Das Tschechische Nymphenfischen (czech nymphing), das Polnische Nymphenfischen (polish nymphing) sowie das moderne Amerikanische Nymphenfischen (high stick nymphing) können dem Fliegenfischen mit der kurzen Nymphe (short nymphing) zugerechnet werden.
  • Die modernen Nymphentechniken sind vor wenigen Jahren im sogenannten European Nymphing gemündet, welches durch lange und sensible Ruten (10-11‘ der Schnurklassen #2-3) sowie sehr lange Vorfächer (9-12 m) gekennzeichnet ist. Weiter Infos hierzu findest Du hier.

3. Fliegenfischen mit dem Streamer

Streamerfischen auf Forelle

Fetter Hybrid (aus Marmorata und Bachforelle) auf pinken Goldkopfstreamer

Fliegenfischen mit dem Streamer wurde lange von vielen Fliegenfischer-Puristen argwöhnisch beäugt, da diese Technik nur wenig von der Ästhetik vom Fliegenfischen mit der Trockenfliege hat. Dennoch ist das Streamerfischen mittlerweile gut etabliert, wohl auch deshalb, weil damit ausgezeichnete Fangergebnisse auf kapitale Forellen, Huchen und Hechte möglich sind. Vor allem im Frühjahr sind mit dem Streamer prächtige Bachforellen und Marmoratas zu überlisten.

Streamer sind relativ große künstliche Fliegen, die kleine Beutefische wie Elritzen und Koppen imitieren oder aber durch ihre grellen Farben Raubfische zum Biss animieren sollen. Die meisten Streamer sind mehr oder weniger stark beschwert, allerdings gibt es auch unbeschwerte und schwimmende Streamer wie z.B. Boobies.

Zum Fliegenfischen mit dem Streamer empfehlen wir eine ziemlich steife Fliegenrute mit 9 Fuß Länge, ausgelegt für eine schwere Fliegenschnur der Klasse #6 bis #7. Als ideale Fliegenschnur hat sich die WF Schwimmschnur mit Sinkspitze bewährt. Alternativ kann für Gewässer mit nur mäßiger Strömung auch eine WF Schwimmschnur verwendet werden, wenn dafür das Vorfach mit Tungstenpaste punktuell beschwert wird, am besten rund 50cm vom Streamer entfernt. Als Vorfachmaterial eignet sich normales Monofil oder Fluorocarbon mit einer Stärke von 0,22 – 0,28mm und einer Länge von 1,5 – 2,5m. Der Streamer selbst wird am besten mit einer Öse am Vorfach befestigt (z.B. mittels Rapala-Knoten), um ein lebendiges Spiel im Wasser zu ermöglichen.

Beim klassischen Streamerfischen bewegt man sich stromabwärts, wirft den Streamer seitlich Richtung gegenüberliegendes Ufer, lässt ihn mit Ruhe abtreiben und abtauchen, indem eventuell Schnur nachgefüttert wird, und holt ihn dann langsam, zupfend und mit kurzen Pausen ein. Der Anbiss erfolgt oft sehr abrupt und energisch!

4. Fliegenfischen mit der Nassfliege

Obwohl das Fliegenfischen mit der Nassfliege die älteste Form des Fliegenfischens ist, wird diese Technik heute generell leider eher vernachlässigt. Nassfliegen sind künstliche Fliegen, die aus nicht schwimmenden Materialien gebunden sind und somit je nach Fließgeschwindigkeit mehr oder weniger schnell absinken. Die Nassfliegen werden aber im Gegensatz zu den meisten Nymphen unbeschwert gebunden. Dabei imitieren die Nassfliegen im Wasser treibende tote Insekten oder zum Schlupf aufsteigende Insekten.


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