INHALTSVERZEICHNIS:
1. WAS IST EINE TROCKENFLIEGE?
Die Trockenfliege imitiert ein Insekt, das auf der Wasseroberfläche treibt. Das kann ein Insekt sein, das gerade schlüpft, oder aber ein bereits adultes Insekt, das seine Eier ablegt, oder einfach ein Insekt, das ins Wasser gefallen ist und abtreibt. Trockenfliegen imitieren May-, Köcher- und Steinfliegen, aber auch Landinsekten wie Ameisen oder Käfer, die versehentlich ins Wasser geraten sind. Beim Fischen mit der Trockenfliege verleitet man den Fisch an die Wasseroberfläche zu steigen, um das schwimmende Insekt zu schnappen. Ein Biss an der Oberfläche kann dabei vehement sein, aber auch ein ganz gemächliches und zartes Einschlürfen, – in jedem Fall ist es eines der aufregendsten Momente beim Fliegenfischen.
2. MERKMALE EINER GUTEN TROCKENFLIEGE
Damit eine Trockenfliege fängig ist, muss sie einige grundlegende Kriterien erfüllen:
- Auftrieb: Sie sollte lange an der Oberfläche bleiben – selbst bei Strömung und tubulenter Oberfläche.
- Sichtbarkeit: Sie muss sowohl für den Fisch (von unten) als auch für die Anglerin oder den Angler (von oben) gut sichtbar sein – besonders bei wechselnden Lichtverhältnissen.
- Überzeugend und leicht: Die Silhouette sollte natürliche Vorbilder gut imitieren, gleichzeitig darf die Fliege nicht zu schwer sein, um ein vorzeitiges Absinken zu vermeiden.
3. DIE HÄUFIGSTEN BINDEMATERIALIEN FÜR TROCKENFLIEGEN
Für eine fängige Trockenfliege ist die Materialwahl entscheidend: Die Materialien sollten leicht, wasserabweisend und in der Lage sein, die Fliege lange an der Oberfläche zu halten.
Eines der am häufigsten verwendeten Materialien sind EntenbürzelFedern, besser bekannt als CDC (Cul de Canard), die wegen des ihres natürlichen Auftriebs sehr oft Verwendung finden. Zudem spielen die vielen behaarten Fibern dieser Federn sehr verführerisch und wirken damit überaus lebendig. Weitere beliebte Federn sind die vom Hahnenbalg, ideal für steife Hecheln, die die Fliege tragen, sowie Hennen- oder Rebhuhnfedern.
Für die Körper wird häufig Dubbing verwendet – entweder in aus natürlichen Materialien (z. B. Bisam oder Biber) oder als synthetisches Dubbing, das auch mit UV-Fasern zur besseren Sichtbarkeit versetzt sein kann. Eine weitere beliebte Option sind Peacock Quills, feine, von hand abgezogene Streifen vom Kiel der Pfauenfeder, mit denen sich realistisch segmentierte Körper gestalten lassen.
Für die Flügel werden leichte, schwimmfähige Materialien wie Antron Yarn oder erneut CDC verwendet – sie sind nicht nur für eine überzeugende Imitation wichtig, sondern verleihen der Trockenfliege auch in vielen Fällen eine bessere Sichtbarkeit für den Angler. Für die Schwanzfibern kommen bevorzugt Hechelfibern (z. B. vom Coq de Leon) oder synthetische Materialien zum Einsatz, die zur Stabilisierung der Fliege beim Driften beitragen.
Auch Foam findet Verwendung beim Binden von Trockenfliegen – insbesondere wenn es darum geht, den maximalen Auftrieb zu erreichen. Es handelt sich um ein geschlossenzelliges, synthetisches Material, das leicht, wasserabweisend und ideal für voluminöse, gut sichtbare und robuste Körper ist. Besonders geeignet ist es für Terrestrials und Attraktormuster. In moderater Dosierung lässt es sich aber auch in realistischeren Mustern integrieren.
4. WIE DU EINE KLASSISCHE TROCKENFLIEGE BINDEST
BINDEMATERIALIEN
Beginne mit einer Grundwicklung
Schwänzchen einbinden
Kupferdraht fixieren
Körper mit Dubbing formen
Mit Kupferdraht umwickeln
Eine ausreichend große CDC-Feder einbinden
Thorax mit Dubbing gestalten
CDC nach vorne legen, eine Schlaufe bilden und hinter dem Öhr fixieren
Rebhuhnfeder einbinden
Rebhuhnfeder um den Haken winden
Die abschließenden Wicklungen mit einem Kopfknoten sichern
Fertige Trockenfliege
5. TROCKENFLIEGEN AUS FOAM: SUPER SCHWIMMFÄHIG UND NATURGETREU
Trockenfliegen aus Foam sind eine moderne und äußerst effektive Alternative zu klassischen Mustern aus Federn und Dubbing. Das verwendete Material – ein geschlossenzelliger Schaumstoff – ist extrem leicht und wasserabweisend. Durch seine versiegelte Zellstruktur nimmt es kein Wasser auf und sorgt dafür, dass die Fliege auch unter schwierigen Bedingungen – etwa bei schneller Strömung, turbulenter Oberfläche oder leichtem Regen – zuverlässig an der Oberfläche bleibt.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Foam eigne sich nur für grobe, stilisierte Muster, lassen sich damit heute auch sehr realistische Fliegen binden. Präzise zugeschnitten und kombiniert mit anderen Materialien wie CDC, Hecheln, synthetischen Flügeln oder Fühlern, entstehen detailreiche, glaubwürdige Silhouetten. Besonders geflügelte Ameisen, Käfer, Grashüpfer, Köcherfliegen und sogar große Maifliegen lassen sich mit fein verarbeitetem Schaumstoff erstaunlich naturgetreu nachbilden.
Neben dem Realismus ermöglicht Foam auch die Umsetzung von auffälligen und stark reizenden Mustern, die ideal sind für Situationen ohne Oberflächenaktivität. In solchen Momenten helfen Muster wie der Stimulator oder andere voluminöse Terrestrials, um eine instinktive Reaktion bei den Fischen auszulösen. Zusätzliche Gummibeinchen erhöhen nochmals die Reizwirkung.
Kurz gesagt: Foam ist ein unglaublich vielseitiges Material, mit dem sich schwimmstarke und robuste ebenso wie filigrane und realistische Fliegenmuster binden lassen – für nahezu jede Situation an der Oberfläche bestens geeignet.
6. WIE DU EINE TROCKENFLIEGE MIT FOAM BINDEST
Bindegarn auf einer Nadel befestigen
Einen Foamstreifen falten und anbringen
Abdomen mit Bindegarn segmentieren
Das letzte Segment mit Endknoten sichern
Alle Segmente mit einem dunklen Marker einfärben
Mit einem helleren Marker den gesamten Extended Body färben
Endergebnis
Extended Body von der Nadel nehmen und auf den Haken ziehen
Foam mit Bindegarn fixieren
Thorax mit Dubbing formen
CDC-Feder einbinden – sie sollte mindestens so lang wie der Extended Body sein
Flügel in gleicher Länge befestigen
Foamstreifen einbinden
Einige Wicklungen mit Dubbing durchführen
Foamstreifen nach hinten klappen und erneut fixieren
Rehhaar mit der Split-Thread-Technik befestigen
Rehhaar umwickeln
Foamstreifen weiter hinten erneut fixieren und Überstand abschneiden
Foam wie zuvor einfärben
Fertige Foam-Trockenfliege
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